Nicht jeder schlechte Tag ist gleich eine Depression. Manchmal läuft einfach vieles gleichzeitig schief, wir schlafen schlecht, sind erschöpft oder brauchen ein paar Tage für uns.
Schwieriger wird es, wenn dieses Gefühl nicht mehr richtig verschwindet.
Vielleicht stehst du morgens auf und bist schon müde, bevor der Tag überhaupt begonnen hat. Dinge, auf die du dich früher gefreut hast, bedeuten dir plötzlich kaum noch etwas. Nachrichten bleiben unbeantwortet, Treffen werden abgesagt und selbst kleine Aufgaben fühlen sich ungewöhnlich schwer an.
Typische Anzeichen einer Depression können anhaltende Niedergeschlagenheit, Interessenverlust, fehlender Antrieb, Erschöpfung und Konzentrationsprobleme sein. Aber Depressionen fühlen sich nicht bei jedem Menschen gleich an. Und genau deshalb werden sie manchmal lange übersehen.
Was ist eine Depression?
Eine Depression ist eine psychische Erkrankung. Sie betrifft nicht nur die Stimmung, sondern kann auch verändern, wie du denkst, schläfst, dich konzentrierst und deinen Alltag erlebst.
Viele Betroffene würden ihren Zustand nicht einmal mit „traurig“ beschreiben.
Ich fühle mich einfach leer.
Ich funktioniere noch, aber eigentlich kostet mich alles Kraft.
Das ist ein wichtiger Punkt. Eine Depression muss von außen nicht sofort sichtbar sein. Du kannst weiterhin arbeiten, dich mit anderen unterhalten oder sogar lachen und dich gleichzeitig innerlich sehr schlecht fühlen.
Das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen beschreibt Depressionen ebenfalls als Erkrankungen, die unter anderem Stimmung, Antrieb und Interesse deutlich beeinträchtigen können.
Welche Symptome können bei Depressionen auftreten?
Nicht jeder Mensch hat dieselben Beschwerden. Manche Veränderungen sind emotional, andere zeigen sich stärker im Verhalten oder sogar körperlich.
Mögliche Symptome sind:
- Anhaltende Niedergeschlagenheit oder innere Leere
- Deutlich weniger Freude oder Interesse
- Starke Müdigkeit und fehlender Antrieb
- Konzentrations- oder Entscheidungsschwierigkeiten
- Rückzug von Freunden und Familie
- Selbstzweifel oder ein geringeres Selbstwertgefühl
- Schuldgefühle und Hoffnungslosigkeit
- Schlafprobleme
- Veränderungen von Appetit oder Gewicht
- Libidoverlust
- Innere Unruhe oder starke Verlangsamung
- Gedanken daran, nicht mehr leben zu wollen
Auch körperliche Beschwerden können auftreten. Manche Menschen berichten beispielsweise von Kopf-, Rücken- oder Magen-Darm-Beschwerden, ohne zunächst einen Zusammenhang mit ihrer psychischen Verfassung zu vermuten.
Dabei gilt immer
Wie fühlt sich eine Depression an?
Eine Liste mit Symptomen beschreibt häufig nur die Hälfte.
Vielleicht weißt du, dass du dich eigentlich über etwas freuen solltest, aber das Gefühl kommt einfach nicht. Vielleicht schreibst du Freunden nicht zurück, obwohl sie dir wichtig sind. Oder du liegst abends auf dem Sofa, hast endlich Zeit für dich und merkst trotzdem keine Erleichterung.
Manche Menschen weinen viel. Andere überhaupt nicht. Manche können kaum noch arbeiten. Andere funktionieren nach außen fast wie immer.
Deshalb gibt es nicht das eine typische Bild einer Depression. Gerade Menschen, die gewohnt sind, viel zu leisten oder Probleme mit sich selbst auszumachen, können erstaunlich lange weitermachen.
Dass du noch funktionierst, bedeutet nicht automatisch, dass es dir gut geht.
Habe ich Depressionen oder einfach nur eine schlechte Phase?
Diese Frage lässt sich alleine nicht immer eindeutig beantworten.
Traurigkeit, Stress oder Erschöpfung gehören zum Leben. Nach einer Trennung, einem Verlust oder einer belastenden Zeit kann es uns eine Weile schlecht gehen, ohne dass deshalb eine Depression vorliegt.
Aufmerksam solltest du werden, wenn typische Beschwerden über mindestens zwei Wochen und an den meisten Tagen bzw. über einen Großteil des Tages bestehen.
Frag dich zum Beispiel:
- Fühle ich mich an den meisten Tagen niedergeschlagen, leer oder ungewöhnlich gereizt?
- Machen mir Dinge noch Freude, auf die ich mich früher gefreut habe?
- Muss ich mich selbst zu kleinen Aufgaben stark überwinden?
- Ziehe ich mich immer häufiger zurück?
- Schlafe ich deutlich schlechter oder mehr als früher?
- Fällt es mir schwerer, mich zu konzentrieren?
- Denke ich zunehmend negativ über mich selbst oder meine Zukunft?
Ein solcher Selbstcheck kann dir helfen, Veränderungen bewusster wahrzunehmen. Er kann aber keine Diagnose ersetzen.
Was ist eine depressive Episode?
Bei einer depressiven Episode treten depressive Beschwerden über einen bestimmten Zeitraum hinweg auf und erreichen eine entsprechende Stärke.
Wie sehr eine Episode den Alltag beeinflusst, kann sehr unterschiedlich sein. Manche Menschen schaffen weiterhin fast alles, benötigen dafür aber deutlich mehr Kraft. Bei anderen werden Arbeit, soziale Kontakte oder selbst alltägliche Dinge zunehmend schwierig.
Für die fachliche Einordnung spielen deshalb nicht nur einzelne Symptome eine Rolle, sondern auch deren Dauer, Stärke und Auswirkungen auf das tägliche Leben.
Das musst du allerdings nicht selbst beurteilen können, bevor du dir Unterstützung suchst.
Warum entstehen Depressionen?
Meist gibt es nicht den einen Grund.
Depressionen können durch ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren entstehen. Dazu können belastende Lebensereignisse, länger anhaltender Stress, persönliche Erfahrungen, biologische Faktoren oder körperliche Erkrankungen gehören.
Manchmal gibt es einen Auslöser, den man klar benennen kann. Manchmal nicht.
Gerade dann entsteht bei Betroffenen schnell der Gedanke: „Eigentlich müsste es mir doch gut gehen.“ Aber psychische Erkrankungen richten sich nicht danach, wie gut ein Leben von außen aussieht.
Eine Depression ist kein Zeichen dafür, dass du schwach bist oder dich einfach nicht genug zusammenreißt.
Was kann bei Depressionen helfen?
Welche Unterstützung sinnvoll ist, hängt davon ab, wie stark die Beschwerden sind und was hinter ihnen steckt.
Zu den etablierten Behandlungsmöglichkeiten bei Depressionen gehören insbesondere Psychotherapie und, abhängig von der individuellen Situation, Medikamente. Bei deutlichen depressiven Beschwerden ist deshalb eine ärztliche oder psychotherapeutische Abklärung wichtig. Weitere Informationen findest du bei Gesundheitsinformation.de.
Im Alltag können regelmäßiger Schlaf, Bewegung, eine gewisse Tagesstruktur und Kontakt zu anderen Menschen unterstützend sein. Solche Maßnahmen können eine Behandlung unterstützen, ersetzen bei einer Depression aber nicht automatisch eine professionelle Abklärung oder Behandlung.
Nur klingt das oft einfacher, als es sich mit einer Depression anfühlt.
Geh doch mal raus.
Mach etwas, das dir Spaß macht.
Denk nicht so negativ.
Das ist meistens gut gemeint. Es übersieht aber, dass bei einer Depression genau Antrieb, Energie und Freude fehlen können. Du musst dich also nicht einfach nur „mehr bemühen“.
Wann solltest du handeln?
Vielleicht fragst du dich gerade, ob es dir schon „schlecht genug“ geht, um mit jemandem darüber zu sprechen. Dafür gibt es keine Mindestgrenze.
Wenn du seit mindestens zwei Wochen merkst, dass du dich verändert hast, dich zunehmend zurückziehst, kaum noch Freude empfindest oder dein Alltag deutlich mehr Kraft kostet als früher, ist es sinnvoll, genauer hinzuschauen.
Auch dieser Gedanke reicht:
Ich weiß nicht genau, was mit mir los ist. Aber so möchte ich nicht weitermachen.
Du musst noch keine Diagnose haben. Du musst auch nicht bereits wissen, welche Form von Unterstützung du brauchst. Ein erster Schritt kann einfach sein, deine Situation mit jemandem zu sortieren, der psychische Belastungen professionell einordnen kann.
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