Es gibt Phasen, in denen einfach viel los ist. Du schläfst schlechter, bist gereizt und freust dich auf das nächste freie Wochenende. Schwieriger wird es, wenn dieses Wochenende irgendwann nicht mehr reicht.
Wenn du morgens schon erschöpft aufstehst, nach Feierabend nicht abschalten kannst oder Dinge plötzlich Kraft kosten, die früher selbstverständlich waren, kann es sinnvoll sein, genauer hinzuschauen.
Burnout lässt sich allerdings nicht an einem einzelnen Symptom festmachen. Entscheidend ist vielmehr, wie lange die Beschwerden schon bestehen und wie sehr sie deinen Alltag inzwischen beeinflussen.
Was versteht man unter Burnout?
Die Weltgesundheitsorganisation WHO beschreibt Burnout als Folge von chronischem Stress am Arbeitsplatz, der über längere Zeit bestehen bleibt. Im Mittelpunkt stehen Erschöpfung, eine zunehmende Distanz zur Arbeit und das Gefühl, beruflich weniger leisten zu können. Burnout wird dabei nicht als eigenständige Krankheit, sondern als berufsbezogenes Phänomen eingeordnet.
Im Alltag wird der Begriff oft etwas weiter verwendet. Auch dauerhafte private Belastungen, die Pflege von Angehörigen, Studium, Selbstständigkeit oder andere anhaltende Anforderungen können Menschen an einen Punkt bringen, an dem sie sich dauerhaft erschöpft und überfordert fühlen.
Die entscheidende Frage lautet nicht unbedingt: „Habe ich Burnout?“ Oft ist zunächst wichtiger: „Warum geht es mir seit einiger Zeit so und was kann ich daran ändern?“
Welche Symptome können bei Burnout auftreten?
Burnout sieht nicht bei jedem Menschen gleich aus. Manche fühlen sich vor allem müde. Andere sind ständig angespannt oder gereizt. Wieder andere funktionieren nach außen weiterhin erstaunlich gut und merken erst spät, wie viel Kraft sie dieser Alltag inzwischen kostet.
Häufige Anzeichen können sein:
- Anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung
- Schwierigkeiten, nach der Arbeit abzuschalten
- Schlafprobleme
- Konzentrationsprobleme und Vergesslichkeit
- Zunehmende Gereiztheit
- Sinkende Motivation
- Innere Leere oder Gleichgültigkeit
- Rückzug von Freunden oder Familie
- Das Gefühl, nur noch zu funktionieren
Auch körperliche Beschwerden können auftreten. Dazu gehören beispielsweise Kopf- oder Rückenschmerzen, Verspannungen, Magen-Darm-Beschwerden oder nervöse Anspannung.
Wichtig
Die ersten Warnzeichen werden oft übersehen
Burnout beginnt selten mit dem Gedanken: „Jetzt habe ich einen Burnout.“ Häufig sieht der Anfang ganz anders aus.
Du arbeitest etwas länger. Sagst eine Verabredung ab, weil du zu müde bist. Checkst am Sonntagabend noch schnell deine Mails. Schläfst schlechter. Brauchst morgens länger, um in Gang zu kommen. Und irgendwann wird aus einer stressigen Woche ein dauerhafter Zustand.
Ein wichtiges Warnzeichen kann sein, wenn Erholung nicht mehr richtig funktioniert. Du hast frei, schläfst aus oder verbringst einen ruhigen Abend und fühlst dich danach kaum erholter.
Manchmal sind es auch andere Menschen, die Veränderungen zuerst bemerken:
Du bist in letzter Zeit so gereizt.
Du meldest dich kaum noch.
Du wirkst ständig gestresst.
Das bedeutet nicht automatisch, dass du einen Burnout hast. Es lohnt sich aber, solche Veränderungen nicht monatelang wegzuschieben.
Burnout oder einfach nur Stress?
Stress allein ist noch kein Burnout. Nach einer anstrengenden Woche kannst du erschöpft sein und dich am Wochenende trotzdem wieder erholen. Bei länger anhaltender Überlastung gelingt genau das zunehmend schlechter.
Stress
„Es ist gerade viel, aber danach wird es wieder besser.“
Anhaltende Überlastung
„Eigentlich müsste ich mich erholt haben, aber ich bin immer noch völlig leer.“
Wenn du dich seit Wochen oder Monaten dauerhaft erschöpft fühlst, kaum abschalten kannst oder merkst, dass deine Leistungsfähigkeit deutlich nachlässt, solltest du genauer hinschauen.
Ein kurzer Selbstcheck
Versuche für einen Moment nicht darüber nachzudenken, ob deine Beschwerden „schlimm genug“ sind. Frag dich stattdessen:
- Fühle ich mich seit längerer Zeit erschöpft?
- Kann ich nach Feierabend wirklich abschalten?
- Wache ich morgens einigermaßen erholt auf?
- Habe ich noch Freude an Dingen, die mir normalerweise guttun?
- Bin ich gereizter oder ungeduldiger geworden?
- Fällt mir Arbeit schwerer als früher?
- Ziehe ich mich häufiger zurück?
- Habe ich das Gefühl, eigentlich nur noch zu funktionieren?
Mehrere Antworten mit „Ja“ sind keine Diagnose. Sie können aber ein Hinweis darauf sein, dass es Zeit ist, deine Belastung ernst zu nehmen.
Was hilft bei Burnout-Symptomen?
Eine pauschale Lösung gibt es nicht. Dafür sind die Ursachen und Lebenssituationen zu unterschiedlich. Der erste Schritt besteht oft darin, herauszufinden, was dir dauerhaft Energie nimmt.
Sind es deine Arbeitszeiten? Ständige Erreichbarkeit? Konflikte? Zu viel Verantwortung? Oder der eigene Anspruch, immer alles schaffen zu müssen?
Manchmal können konkrete Veränderungen im Alltag schon viel bewirken. Klare Grenzen, regelmäßige Erholungsphasen, Bewegung, ausreichend Schlaf oder weniger Erreichbarkeit sind mögliche erste Schritte.
Bei stärkerer oder länger bestehender Belastung reicht „mehr entspannen“ allerdings oft nicht aus. Dann kann ein Gespräch mit einer psychologisch ausgebildeten Fachkraft helfen, deine Situation von außen zu betrachten und herauszufinden, welche Veränderungen für dich tatsächlich sinnvoll sind.
Wann solltest du dir Unterstützung suchen?
Viele Menschen warten damit erstaunlich lange. Oft steckt dahinter der Gedanke: „So schlimm ist es doch noch gar nicht.“
Psychologische Unterstützung muss aber nicht erst dann beginnen, wenn überhaupt nichts mehr funktioniert. Sie kann schon sinnvoll sein, wenn du seit mehreren Wochen merkst, dass du dich verändert hast, kaum noch abschalten kannst oder selbst nicht weißt, wie du aus deiner aktuellen Situation herauskommen sollst.
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